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M&A Börse

Unternehmenskauf finanzieren

Wer einen Betrieb übernimmt, muss den Kaufpreis und häufig zusätzlich Investitionen und Betriebsmittel aufbringen. Unternehmenskauf finanzieren heißt deshalb, Eigenkapital, Bankkredit, Förderdarlehen, Bürgschaften und gegebenenfalls Verkäuferbeteiligung zu einem tragfähigen Paket zu verbinden. Dieser Ratgeber erläutert die Bausteine, die Rolle der Hausbank, die KfW-Programme mit ihren aktuellen Eckdaten, die Prüfung der Kapitaldienstfähigkeit und typische Fehler. Er ersetzt keine Finanzierungs-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Stand: Oktober 2026

Was bei der Finanzierung einer Übernahme zählt

Bei der Firmenkauf Finanzierung zählen für Banken keine Ideen, sondern künftige Überschüsse. Bei einer Übernahme liegt der Vorteil gegenüber einer Neugründung darin, dass Umsätze, Kunden und Kosten des Betriebs bereits dokumentiert sind. Die Bank kann daher die Vergangenheit auswerten und die Zukunft daran messen. Entscheidend sind drei Fragen: Trägt der laufende Ertrag den Kapitaldienst (Zins und Tilgung)? Kann der Käufer fachlich und kaufmännisch führen? Und welche Sicherheiten und welcher Eigenanteil stehen zur Verfügung?

Der Kaufpreis ist dabei nur ein Teil des Kapitalbedarfs. Hinzu kommen in der Regel Nebenkosten (Notar, Beratung, gegebenenfalls Grunderwerbsteuer bei Immobilien), Investitionen, die der Betrieb nach der Übernahme braucht, und ein Puffer für das Warenlager und die ersten Monate, in denen Forderungen und Verbindlichkeiten sich neu ordnen. Wer nur den Kaufpreis finanziert, gerät in den ersten Monaten leicht in einen Liquiditätsengpass.

Zur Orientierung: Das KfW-Mittelstandspanel ermittelt für Inhaber, die eine Nachfolge zwischen 2025 und 2029 planen, einen durchschnittlich angestrebten Verkaufspreis von rund 499.000 Euro; im Durchschnitt liegt die Preisvorstellung beim 1,2-fachen des Jahresumsatzes, der Median bei 0,6 [4]. Das sind Wunschpreise der Verkäufer, keine realisierten Preise und keine Bewertung Ihres Zielobjekts. Wie ein Preis fachlich hergeleitet wird, erklärt der Ratgeber zur Unternehmensbewertung.

Bausteine einer Kaufpreisfinanzierung

Eine Übernahme finanzieren Käufer selten aus einer einzigen Quelle; üblich ist eine Kombination aus mehreren Bausteinen:

  • Eigenkapital: Ersparnisse, Beteiligungen von Familie oder Partnern. Es zeigt der Bank, dass der Käufer selbst Risiko trägt.
  • Hausbankdarlehen: klassischer Investitions- oder Betriebsmittelkredit, häufig als Teil eines durchgereichten Förderkredits.
  • Förderdarlehen der KfW und der Landesförderbanken: zinsgünstige Programme mit langen Laufzeiten und tilgungsfreien Anlaufjahren, beantragt über die Hausbank.
  • Bürgschaften: Die Bürgschaftsbanken der Länder übernehmen Ausfallrisiken und können fehlende Sicherheiten ersetzen [5].
  • Verkäuferseitige Lösungen: gestundete Kaufpreisteile oder ein Verkäuferdarlehen, bei dem der Verkäufer einen Teil des Preises über mehrere Jahre stehen lässt.
  • Beteiligungskapital: stille oder offene Beteiligungen, etwa durch Mittelständische Beteiligungsgesellschaften [5].

Welche Mischung passt, hängt von Kaufpreis, Ertragskraft, Sicherheiten und Rechtsform ab. Wer mit sehr wenig eigenen Mitteln startet, findet Hinweise im Ratgeber Unternehmen kaufen ohne Eigenkapital.

Die Hausbank als Antragsweg

KfW-Förderkredite können Sie nicht direkt bei der KfW beantragen. Der Antrag läuft über Ihre Hausbank, also eine Bank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank, und muss gestellt werden, bevor Sie das Vorhaben umsetzen [1][2][3]. Die Hausbank prüft Ihre Unterlagen und entscheidet mit, ob und in welcher Form sie das Risiko trägt. Für die Praxis bedeutet das: Das erste Gespräch mit der Bank sollte vor der Kaufpreisverhandlung stattfinden und nicht erst nach Unterzeichnung eines Vertrags.

Banken erwarten in der Regel einen Businessplan oder ein Konzept, einen tabellarischen Lebenslauf, eine Selbstauskunft mit Vermögensaufstellung sowie die Jahresabschlüsse und aktuellen betriebswirtschaftlichen Auswertungen des Zielunternehmens [1]. Je vollständiger die Unterlagen und je plausibler die Planung, desto schneller lässt sich über ein Angebot entscheiden. Eine zusätzliche Hilfe für die Vorbereitung bietet der Rechner zum Thema Unternehmenskauf Finanzierung Rechner von M&A Börse, der Annuität und Kapitaldienst grob abschätzt. Er ist eine Indikation und ersetzt kein Bankangebot.

KfW-Programme für die Übernahme im Überblick

Die KfW bietet für Übernahmen mehrere ERP-Förderkredite an, die sich nach Kreditbetrag, Laufzeit und Risikoübernahme unterscheiden. Die folgende Tabelle gibt die Eckdaten laut den jeweiligen Produktinformationen der KfW wieder. Konditionen wie Zinssätze ändern sich laufend, prüfen Sie diese vor der Antragstellung auf kfw.de.

Programm Kreditbetrag Laufzeit und Tilgungsfreiheit Risikoübernahme
ERP-Gründerkredit StartGeld (067) bis 200.000 Euro, davon höchstens 80.000 Euro für laufende Kosten [2] bis 5 Jahre mit 1 tilgungsfreiem Jahr oder bis 10 Jahre mit 2 tilgungsfreien Jahren [2] KfW übernimmt 80 % des Kreditrisikos [2]
ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) bis 500.000 Euro, höchstens 35 % der förderfähigen Kosten [1] 10 oder 15 Jahre; 2 bzw. 5 tilgungsfreie Jahre [1] 100 % Garantie durch eine Bürgschaftsbank [1]
ERP-Förderkredit KMU (365/366) bis 25 Mio. Euro [3] bis 20 Jahre, bis zu 3 tilgungsfreie Jahre [3] bei 366 übernimmt die KfW 50 % des Risikos [3]

Zu den Voraussetzungen gehört bei StartGeld, dass das Unternehmen höchstens fünf Jahre besteht beziehungsweise übernommen wird; mittlere und große Unternehmen sind ausgeschlossen [2]. Beim Förderkredit 077 haften die Kreditnehmer persönlich, und der Antragsteller muss Teil der Geschäftsführung sein oder werden [1]. Der KMU-Kredit richtet sich an Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten und höchstens 50 Mio. Euro Jahresumsatz; für die Variante 366 werden zwei Jahresabschlüsse verlangt [3].

Förderfähig sind je nach Programm unter anderem die Übernahme eines Unternehmens, tätige Beteiligungen, Investitionen, Betriebsmittel und das Warenlager [1][2][3]. Einen vertieften Überblick über Programme, auch der Länder, liefert der Ratgeber zur Förderung Unternehmensnachfolge. Dort finden Sie auch die Landesförderbanken. Prüfen Sie stets, ob Ihr konkretes Vorhaben unter die Förderbedingungen fällt, denn nicht jeder Erwerb ist förderfähig.

Kapitaldienstfähigkeit und Sicherheiten

Die Bank rechnet nach, ob der nachhaltig erzielbare Überschuss den Kapitaldienst deckt. Maßgeblich ist nicht der Gewinn des Verkäufers, sondern der Überschuss, der nach der Übernahme verbleibt. Dazu gehören ein angemessenes Gehalt für den neuen Inhaber, Ersatzinvestitionen, Steuern und die Zins- und Tilgungsleistungen. Der Verkäufer hat sein Gehalt oft nicht als Kosten gebucht, deshalb ist der kalkulatorischer Unternehmerlohn ein zentraler Rechenposten.

Typische Prüfschritte der Bank:

  1. Bereinigung der Ergebnisse der letzten Jahre um Sondereffekte und private Kosten.
  2. Planung von Umsatz, Kosten und Liquidität für die ersten drei Jahre, mit einem vorsichtigen Szenario.
  3. Gegenüberstellung von Überschuss und Kapitaldienst, einschließlich Puffer für Schwankungen.
  4. Prüfung von Sicherheiten, zum Beispiel Sicherungsübereignung, Grundschuld, Bürgschaften oder Abtretung von Forderungen.
  5. Bewertung der Person des Käufers: Branchenkenntnis, Führungserfahrung, kaufmännische Eignung.

Verkürzt gilt: Je niedriger der Kaufpreis im Verhältnis zum nachhaltigen Überschuss, desto leichter lässt sich die Finanzierung darstellen. Eine Faustformel mit festen Prozentwerten ist nicht belastbar, weil Banken Betriebe nach Branche, Ertragsstabilität und Sicherheitenlage unterschiedlich beurteilen. Eine Einordnung des Preises ermöglicht der Rechner zum Thema Unternehmenswert berechnen, der ebenfalls nur eine Indikation liefert.

Kredit für Firmenübernahme: Unterlagen und Ablauf

Wer einen Kredit für Firmenübernahme anfragt, sollte die Unterlagen so aufbereiten, dass die Bank das Vorhaben in kurzer Zeit nachvollziehen kann. Der Ablauf bei Förderkrediten mit Bürgschaftsbank gliedert sich nach den Angaben der KfW in drei Schritte: Sie beantragen den Kredit über die Hausbank, die Hausbank stellt den Garantieantrag bei der Bürgschaftsbank Ihres Bundeslandes, und anschließend beantragt sie bei der KfW die Refinanzierung [1]. Erst danach kommt die Kreditzusage. Planen Sie dafür Zeit ein und stimmen Sie die Fristen im Kaufvertrag darauf ab, etwa durch eine Finanzierungsvorbehaltsklausel.

Hilfreich ist diese Unterlagenliste:

  • Businessplan mit Umsatz-, Kosten- und Liquiditätsplanung
  • Lebenslauf und Nachweise zur fachlichen Qualifikation
  • Selbstauskunft und Vermögensübersicht
  • Jahresabschlüsse und betriebswirtschaftliche Auswertungen des Zielunternehmens
  • Entwurf oder Eckdaten des Kaufvertrags und Ergebnisse der Prüfung des Unternehmens, siehe Due Diligence
  • bei Handwerk und anderen erlaubnispflichtigen Branchen: Nachweise zu Meisterbrief, Erlaubnis oder Genehmigung

Für Gründer ohne Branchenerfahrung achten Banken besonders auf ein Konzept zur Einarbeitung, zum Beispiel eine begleitete Übergabephase mit dem Verkäufer.

Typische Fehler bei der Finanzierung

Häufige Schwachstellen in der Praxis lassen sich vermeiden:

  • Kaufpreis als einzige Größe: Investitionen, Warenlager und Liquiditätsreserve gehören in die Rechnung.
  • Zu spät mit der Bank sprechen: Ein Förderantrag muss vor Beginn des Vorhabens gestellt werden [1][2][3].
  • Optimistische Planung: Verlieren Stammkunden oder Mitarbeiter den Kontakt zum Verkäufer, sinken Umsätze oft schon im ersten Jahr. Planen Sie ein vorsichtiges Szenario.
  • Rechtsform und Haftung übersehen: Bei Förderkrediten mit Bürgschaftsbank haftet der Kreditnehmer persönlich [1]. Welche Folgen Asset- und Anteilskauf haben, erklärt der Ratgeber Asset Deal Share Deal.
  • Laufende Verbindlichkeiten ignorieren: Verbindlichkeiten, Mietverträge und Personal gehen je nach Konstruktion mit über. Das wirkt auf die Finanzierung.
  • Beratung sparen: Steuerberater, Rechtsanwalt und die Beratung der Industrie- und Handelskammer oder Handwerkskammer kosten Geld, können aber Fehlentscheidungen mit weit höheren Folgekosten verhindern.

Die Schritte vom ersten Kontakt bis zum Vertrag stellt der Ratgeber Unternehmen kaufen Ablauf dar.

Finanzierung nach Branche

Wie gut sich ein Betrieb beleihen lässt, hängt stark von der Branche ab. Betriebe mit hohem Warenlager oder Immobilienanteil bieten Banken mehr Sicherheiten als Dienstleister, deren Wert vor allem im Kundenstamm liegt. Wer eine Bäckerei kaufen will, achtet vor allem auf Maschinen und Mietverhältnis, beim Friseursalon kaufen zählen vor allem Stammkunden und das Team, bei einem Apotheke kaufen genannten Vorhaben kommen zusätzlich berufsrechtliche Besonderheiten hinzu. Die jeweiligen Branchenseiten zeigen, worauf Käufer achten, und verlinken zu weiteren Spezialthemen. Belastbare branchenübergreifende Finanzierungsquoten gibt es nicht; dazu liegen keine belastbaren Daten vor.

Passende Objekte finden und Kontakt aufnehmen

M&A Börse arrangiert den Kontakt zwischen Verkäufern und Käufern. Das Portal vermittelt nicht, erhält keine Provision und gibt weder Rechts-, Steuer- noch Anlageberatung. Als Käufer können Sie anonyme Inserate durchsuchen, nach einer digitalen Vertraulichkeitserklärung ein Exposé einsehen und sich über neue Angebote benachrichtigen lassen. Sie können außerdem ein Kaufgesuch einstellen und im Beraterverzeichnis nach Fachleuten für Finanzierung und Nachfolge suchen. Wer ein passendes Angebot sucht, kann hier Unternehmen kaufen. Wer selbst abgibt und seinem Käufer eine tragfähige Finanzierung erleichtern möchte, kann sein Unternehmen anonym einstellen und so Unternehmen verkaufen.

Häufige Fragen

Wie lässt sich ein Unternehmenskauf typischerweise finanzieren?

Meist aus mehreren Bausteinen: Eigenkapital, Hausbankdarlehen, KfW-Förderkredite, Bürgschaften der Bürgschaftsbanken sowie gegebenenfalls Verkäuferbeteiligung oder Beteiligungskapital. Die passende Mischung hängt von Kaufpreis, Ertragskraft und Sicherheiten ab.

Wo beantrage ich einen KfW-Kredit für die Übernahme?

Nicht direkt bei der KfW, sondern über Ihre Hausbank, also Bank, Sparkasse oder Genossenschaftsbank. Der Antrag muss gestellt werden, bevor Sie das Vorhaben umsetzen [1][2][3].

Wie viel Kredit bietet die KfW bei einer Übernahme?

Das hängt vom Programm ab. StartGeld (067) bietet bis zu 200.000 Euro [2], der Förderkredit Gründung und Nachfolge (077) bis zu 500.000 Euro [1], der ERP-Förderkredit KMU (365/366) bis zu 25 Mio. Euro [3]. Aktuelle Konditionen stehen auf kfw.de.

Muss ich Eigenkapital mitbringen?

Banken erwarten in der Regel einen Eigenanteil, weil er zeigt, dass der Käufer selbst Risiko trägt. Eine feste Mindestquote gilt nicht branchenübergreifend. Beim Förderkredit 077 deckt das Darlehen höchstens 35 % der förderfähigen Kosten [1], der übrige Teil muss anders aufgebracht werden.

Was bringt eine Bürgschaftsbank?

Sie übernimmt Ausfallrisiken und kann fehlende Sicherheiten ersetzen. Beim Förderkredit 077 trägt eine Bürgschaftsbank 100 % der Garantie, der Kreditnehmer haftet aber persönlich [1][5].

Kann der Verkäufer einen Teil des Preises stunden?

Ja, das ist eine häufige Lösung. Gestundete Kaufpreisteile oder ein Verkäuferdarlehen entlasten die Anfangsliquidität. Die Konditionen sind Verhandlungssache und sollten schriftlich im Kaufvertrag geregelt werden, am besten mit rechtlicher Beratung.

Wie lange dauert die Finanzierungszusage?

Dazu gibt es keine verbindliche Frist. Bei Programmen mit Bürgschaftsbank durchläuft der Antrag Hausbank, Bürgschaftsbank und KfW nacheinander [1]. Planen Sie ausreichend Zeit ein und sichern Sie sich im Kaufvertrag über einen Finanzierungsvorbehalt ab.

Gibt es eine Faustformel, wie hoch der Kaufpreis sein darf?

Keine belastbare. Maßgeblich ist, ob der nachhaltige Überschuss nach Unternehmerlohn, Investitionen und Steuern den Kapitaldienst trägt. Verkäufer streben im Durchschnitt das 1,2-fache des Jahresumsatzes an, der Median liegt bei 0,6 [1]; das sind Wünsche, keine Marktpreise.

Weiterführende Seiten

Quellen

  1. [1] KfW: 077 ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge, Produktinformation (Stand 11.12.2025) (abgerufen 2026-10)
  2. [2] KfW: ERP-Gründerkredit StartGeld (067) (abgerufen 2026-10)
  3. [3] KfW: ERP-Förderkredit KMU (365/366) (abgerufen 2026-10)
  4. [4] KfW Research: Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025, Fokus Volkswirtschaft Nr. 526 (abgerufen 2026-10)
  5. [5] VDB: Verband Deutscher Bürgschaftsbanken: Bürgschaftsbanken und Beteiligungsgesellschaften (abgerufen 2026-10)