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M&A Börse

Unternehmen kaufen ohne Eigenkapital?

Wer ein Unternehmen kaufen ohne Eigenkapital möchte, stößt schnell auf eine unbequeme Tatsache: Eine vollständig fremdfinanzierte Übernahme ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Banken, Bürgschaftsbanken und Verkäufer erwarten in aller Regel, dass der Käufer einen eigenen Beitrag leistet, sei es in Geld, in Sicherheiten oder in nachweisbarer Branchenerfahrung. Dieser Ratgeber zeigt, welche Bausteine sich kombinieren lassen, wo die Grenzen liegen und worauf Sie vor einer Anfrage achten sollten.

Stand: Oktober 2026

Warum Eigenkapital beim Kauf eine so große Rolle spielt

Für Kreditgeber ist das Eigenkapital des Käufers zunächst ein Signal: Wer eigenes Geld einsetzt, trägt einen Teil des Risikos mit. Dazu kommt ein praktischer Grund. Der Kaufpreis ist nur ein Teil des Kapitalbedarfs. Hinzu kommen Nebenkosten wie Notar, Beratung und gegebenenfalls Steuern, außerdem Mittel für Warenlager, Investitionen und die Anlaufphase unter neuer Leitung. Wer das alles über Darlehen abbildet, belastet den Cashflow des übernommenen Betriebs von Beginn an mit Zins und Tilgung.

Eine Rolle spielt auch die Rechtslage beim Darlehen selbst: Nach § 488 BGB verpflichtet sich der Darlehensnehmer, einen geschuldeten Zins zu zahlen und das Darlehen bei Fälligkeit zurückzuerstatten [3]. Diese Pflicht besteht unabhängig davon, wie sich der übernommene Betrieb entwickelt. Eine Übernahme, die nur funktioniert, wenn alles nach Plan läuft, ist deshalb für beide Seiten riskant.

Das bedeutet nicht, dass der Weg verschlossen ist. Es bedeutet, dass Sie das Fehlen von Geld durch andere Argumente ausgleichen müssen. Dazu zählen ein belastbarer Businessplan, Branchenerfahrung, ein überschaubarer Kaufpreis und Verkäufer, die an einer geordneten Übergabe interessiert sind.

Firma kaufen ohne Geld: Was damit realistisch gemeint ist

Die Formulierung „firma kaufen ohne geld“ wird im Alltag oft wörtlich verstanden. Rechtlich und wirtschaftlich gibt es jedoch keinen Weg, einen Betrieb völlig ohne Gegenleistung zu erwerben. Der Verkäufer erhält einen Kaufpreis, auch wenn er gestundet, in Raten gezahlt oder an den künftigen Erfolg gekoppelt wird. Gemeint ist in der Praxis meist eines von drei Modellen:

  • Mischfinanzierung mit geringem Eigenanteil: Ein kleiner eigener Betrag wird durch Bankdarlehen, Förderkredit und Verkäuferleistungen ergänzt.
  • Verkäuferfinanzierung: Der Verkäufer stundet einen Teil des Kaufpreises oder beteiligt sich am künftigen Erfolg.
  • Beteiligungsmodelle: Kapitalgeber, Mitgesellschafter oder Beteiligungsgesellschaften stellen Mittel bereit und erhalten dafür Anteile oder Rechte am Unternehmen.

Seriöse Angebote, die eine Übernahme „komplett ohne Einsatz“ versprechen, sollten Sie mit Skepsis prüfen. Prüfen Sie vor jeder Vorauszahlung, wer Ihr Gegenüber ist und ob die versprochene Leistung rechtlich überhaupt zulässig ist.

Bausteine einer Finanzierung mit wenig Eigenmitteln

Förderkredite der KfW

Die KfW bietet mit dem ERP-Gründerkredit – StartGeld ein Programm, das ausdrücklich auch die Übernahme eines Unternehmens im Rahmen einer Nachfolge einschließt. Nach Angaben der KfW sind Kredite bis zu 200.000 Euro möglich, die KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos, und finanziert werden können neben Investitionen auch Betriebsmittel und Unternehmenskäufe [1]. Der Antrag läuft nicht direkt über die KfW, sondern über einen Finanzierungspartner wie die Hausbank. Die Bank bleibt also Ansprechpartnerin und entscheidet über die Kreditvergabe. Für größere Vorhaben kommen weitere KfW-Programme in Betracht, deren aktuelle Konditionen Sie direkt bei der KfW prüfen sollten. Einen Überblick finden Sie in unserem Beitrag zur Förderung Unternehmensnachfolge.

Bürgschaften der Bürgschaftsbanken

Fehlen Sicherheiten, können Bürgschaftsbanken den Kredit der Hausbank teilweise absichern. Der Verband Deutscher Bürgschaftsbanken beschreibt dies als vollwertige Sicherheit für die Hausbank, die gewerbliche Unternehmen und Freiberufler unterstützt [2]. Laut dem Verband gehören 17 Bürgschaftsbanken und 15 Mittelständische Beteiligungsgesellschaften zum Verbund; Letztere stellen Eigenkapital in der Regel als stille Beteiligung zur Verfügung [2]. Konkrete Bürgschaftshöhen und Quoten unterscheiden sich je nach Land und Programm und werden hier nicht pauschal genannt.

Verkäuferseitige Bausteine

In vielen Übernahmen im Mittelstand stundet der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises. Das kann als Verkäuferdarlehen gestaltet sein; wie das funktioniert, erklärt unser Beitrag zum Verkäuferdarlehen. Ebenfalls möglich ist eine erfolgsabhängige Komponente, bei der ein Teil des Preises nur fließt, wenn bestimmte Kennzahlen erreicht werden. Für den Verkäufer entsteht dabei ein Ausfallrisiko, für den Käufer eine Entlastung in der Anfangsphase.

Beteiligung Dritter

Wer das Management im Betrieb bereits kennt oder von außen einsteigt, kann Investoren einbinden. Die Konstellationen und ihre Unterschiede beschreibt der Beitrag zu Management Buy In. Ein weiteres Modell ist der Search Fund, bei dem Investoren die Suche nach einem passenden Unternehmen finanzieren. Wer Anteile abgibt, teilt allerdings Entscheidungen und spätere Erlöse.

Was Banken und Verkäufer stattdessen sehen wollen

Fehlt der Eigenanteil, müssen andere Faktoren überzeugen. Typische Punkte sind:

  • Fachliche Eignung: Nachweisbare Erfahrung in der Branche oder in einer vergleichbaren Führungsrolle. Für Branchenfremde sind die Hürden höher; Hinweise dazu finden Sie unter Unternehmen kaufen Quereinsteiger.
  • Tragfähiger Businessplan: Der Plan muss zeigen, dass der Betrieb nach Zins, Tilgung und angemessenem Lebensunterhalt noch Überschuss erwirtschaftet. Den eigenen Lebensunterhalt sollten Sie dabei als kalkulatorischer Unternehmerlohn berücksichtigen.
  • Konservativer Kaufpreis: Je niedriger der Preis im Verhältnis zum nachhaltigen Ertrag, desto leichter lässt sich die Schuldenlast tragen. Für eine erste Einordnung eignet sich der Rechner zum Thema Unternehmenswert berechnen. Er liefert eine Indikation, keine Bewertung.
  • Persönliche Sicherheiten: Banken verlangen häufig Haftungsübernahmen oder andere Sicherheiten. Bedenken Sie, dass Sie dann auch mit Privatvermögen haften können.
  • Verkäufer, der bleibt: Eine vereinbarte Einarbeitung oder Beratungsphase senkt das Übergaberisiko und erhöht die Glaubwürdigkeit gegenüber der Bank.

Ob eine Finanzierung tragfähig ist, hängt immer vom Einzelfall ab. Eine Rechenhilfe für erste Szenarien bietet der Unternehmenskauf Finanzierung Rechner; er ersetzt keine Prüfung durch Bank oder Berater.

Risiken: Wenn zu viel Fremdkapital im Spiel ist

Je höher der Fremdkapitalanteil, desto geringer ist der Puffer für Schwankungen. Ein Umsatzrückgang, ein Kundenverlust nach der Übergabe oder ein unerwarteter Investitionsbedarf wirken sich dann unmittelbar auf die Zahlungsfähigkeit aus. Prüfen Sie daher mindestens drei Szenarien und rechnen Sie auch einen schwächeren Verlauf durch.

Zusätzlich gibt es rechtliche Risiken, die unabhängig von der Finanzierung bestehen. Bei der Fortführung einer Firma haftet der Erwerber nach § 25 HGB unter bestimmten Voraussetzungen für die Verbindlichkeiten des früheren Inhabers [4]. Bei einem Betriebsübergang tritt der Erwerber nach § 613a BGB in die Rechte und Pflichten aus den bestehenden Arbeitsverhältnissen ein [5]. Beides kann den Kapitalbedarf erhöhen. Mehr dazu lesen Sie unter Haftung Firmenübernahme und Betriebsübergang 613a.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Rechts-, Steuer- oder Finanzierungsberatung. Die Plattform vermittelt lediglich Kontakte, erbringt keine Maklerleistung und erhält keine Provision.

Welche Betriebe sich eher eignen

Mit geringem Eigenkapital gelingen Übernahmen eher dort, wo der Kaufpreis niedrig und der Kapitalbedarf überschaubar ist, etwa bei kleinen Betrieben mit wenigen Mitarbeitern und überschaubarer Ausstattung. Beispiele aus der Gastronomie und Dienstleistung sind ein Imbiss kaufen, ein Kiosk kaufen oder ein Friseursalon kaufen. Das ist keine Garantie: Auch kleine Betriebe benötigen Mittel für Ausstattung, Miete und Anlaufphase, und Genehmigungen oder Qualifikationen können zusätzlich erforderlich sein. Informieren Sie sich vorab über die rechtlichen Voraussetzungen der jeweiligen Branche.

Bei kapitalintensiven Betrieben, etwa mit viel Maschinen- oder Immobilienbesitz, ist ein hoher Fremdkapitalanteil dagegen schwerer darstellbar. Dort stützen Banken sich stärker auf Sicherheiten.

Typische Fehler bei knappem Eigenkapital

Wer mit wenig eigenem Geld startet, macht in der Praxis häufig dieselben Fehler. Erstens wird der Kapitalbedarf zu niedrig angesetzt: Nebenkosten, Betriebsmittel und ein Puffer für die ersten Monate fehlen in der Rechnung. Zweitens verlässt man sich auf eine einzige Finanzierungsquelle, obwohl sich Förderkredit, Bürgschaft und Verkäuferleistung ergänzen können. Drittens wird der Kaufpreis nicht hinterfragt. Ein hoher Preis lässt sich mit knappen Mitteln kaum tragen, und eine Stundung ändert nichts daran, dass er später gezahlt werden muss.

Viertens unterschätzen Käufer die Abhängigkeit vom bisherigen Inhaber. Hängen Kundenbeziehungen oder Know-how stark an einer Person, sollte die Übergabe vertraglich begleitet werden. Fünftens fehlt oft ein Plan für den Fall, dass die Zahlen schlechter ausfallen als erwartet. Besprechen Sie mit Bank und Verkäufer vorab, wie bei Abweichungen verfahren wird, etwa durch angepasste Raten oder eine längere Laufzeit. Solche Vereinbarungen sind Verhandlungssache und sollten schriftlich fixiert werden.

Vorgehen in der Praxis

Ein strukturiertes Vorgehen erhöht die Chancen, auch wenn der Eigenanteil klein ist:

  1. Kapitalbedarf klären: Kaufpreis, Nebenkosten, Betriebsmittel und Puffer getrennt aufstellen.
  2. Finanzierungsbausteine sammeln: Förderkredit, Bürgschaft, Verkäuferleistung, mögliche Beteiligung.
  3. Beratung einholen: Eine Gründungs- oder Nachfolgeberatung, zum Beispiel über Kammern, kann den Plan prüfen. Ansprechpartner finden Sie, wenn Sie nach einem Nachfolgeberater suchen.
  4. Suchprofil schärfen: Auf der Plattform können Sie ein Gesuch einstellen, etwa als Firma zu kaufen gesucht, oder über die Funktion „Benachrichtigen“ neue passende Inserate beobachten.
  5. Vertraulich prüfen: Das Exposé erhalten Sie nach einer digitalen Geheimhaltungsvereinbarung. Eine Vorlage finden Sie unter Geheimhaltungsvereinbarung Unternehmensverkauf Muster; lassen Sie sie rechtlich prüfen.
  6. Prüfen und verhandeln: Eine sorgfältige Due Diligence und ein sauberer Unternehmenskaufvertrag sind bei hoher Verschuldung besonders wichtig.

Wer ein Unternehmen suchen möchte, findet Inserate unter Unternehmen kaufen. Wer selbst abgeben will, kann Unternehmen verkaufen und dabei Zahlungsmodalitäten wie Raten oder Stundung offen ansprechen. Auch der Weg über eine Existenzgründung durch Übernahme wird häufig gewählt.

Häufige Fragen

Ist es möglich, ein Unternehmen ohne eigenes Geld zu erwerben?

Eine Übernahme ganz ohne Eigenleistung ist die Ausnahme. Häufiger sind Modelle mit kleinem Eigenanteil, ergänzt durch Förderkredit, Bürgschaft, Verkäuferleistungen oder Beteiligungen. Banken verlangen meist zumindest Sicherheiten oder nachweisbare Erfahrung.

Welche KfW-Programme kommen für eine Übernahme in Frage?

Der ERP-Gründerkredit – StartGeld schließt die Unternehmensnachfolge ein. Laut KfW sind Kredite bis 200.000 Euro möglich, die KfW übernimmt 80 Prozent des Risikos [1]. Der Antrag läuft über die Hausbank. Weitere Programme und aktuelle Konditionen prüfen Sie auf kfw.de.

Was leisten Bürgschaftsbanken?

Sie sichern Kredite der Hausbank teilweise ab, wenn Sicherheiten fehlen. Der Verband beschreibt die Bürgschaft als vollwertige Sicherheit für die Bank [2]. Höhe und Bedingungen hängen vom jeweiligen Institut und Programm ab.

Kann der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises stunden?

Ja, das ist vertraglich möglich, etwa als Ratenzahlung oder Darlehen des Verkäufers. Es braucht klare Regeln zu Laufzeit, Verzinsung und Sicherung, denn der Verkäufer trägt dann ein Ausfallrisiko. Lassen Sie die Vereinbarung rechtlich prüfen.

Wie haftet man als Käufer für Altverbindlichkeiten?

Bei Fortführung der Firma kann der Erwerber nach § 25 HGB unter bestimmten Voraussetzungen für frühere Verbindlichkeiten haften [4]. Bei einem Betriebsübergang gilt für Arbeitsverhältnisse § 613a BGB [5]. Vertragliche Regelungen und Prüfung der Verhältnisse sind daher wichtig.

Hilft die Plattform bei der Finanzierung?

Nein. Die Plattform vermittelt Kontakte zwischen Anbietern und Interessenten, erbringt keine Maklerleistung, verlangt keine Provision und gibt keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung. Für die Finanzierung wenden Sie sich an Bank, Bürgschaftsbank oder Berater.

Welche Unterlagen verlangt die Bank?

In der Regel Businessplan, Lebenslauf, Nachweise zur Qualifikation, Jahresabschlüsse des Zielunternehmens, Planrechnung und Angaben zu Sicherheiten. Welche Unterlagen konkret erforderlich sind, legt die jeweilige Bank fest.

Wie viel Zeit sollte ich für die Finanzierung einplanen?

Dazu gibt es keine belastbaren Daten, die für alle Fälle gelten. Förderkredite laufen über die Hausbank, eine Bürgschaft erfordert zusätzlich eine Prüfung durch die Bürgschaftsbank. Planen Sie daher ausreichend Vorlauf ein und klären Sie die Finanzierung, bevor Sie sich vertraglich binden.

Weiterführende Seiten

Quellen

  1. [1] KfW Bankengruppe: ERP-Gründerkredit – StartGeld (067) (abgerufen 2026-10)
  2. [2] Verband Deutscher Bürgschaftsbanken e. V.: Verband Deutscher Bürgschaftsbanken (VDB): Bürgschaftsbanken und MBGen (abgerufen 2026-10)
  3. [3] Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz): § 488 BGB Vertragstypische Pflichten beim Darlehensvertrag (abgerufen 2026-10)
  4. [4] Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz): § 25 HGB Haftung des Erwerbers bei Fortführung der Firma (abgerufen 2026-10)
  5. [5] Gesetze im Internet (Bundesministerium der Justiz): § 613a BGB Rechte und Pflichten bei Betriebsübergang (abgerufen 2026-10)